Jung sagte: «Die Moral versteht sich von selbst.» Dies gilt sicher für die meisten Menschen. Für eine kleine Minderheit versteht sich indessen Moral keineswegs von selbst; sie ist ihnen wohl intellektuell verständlich, sagt ihnen aber affektiv praktisch nichts und leitet ihr Handeln nicht im geringsten.

1. Begriffsbestimmung Psychopathie

Wenn hier von „Psychopathen" die Rede ist, dann ist selbstverständlich nicht das Schimpfwort gemeint, auch nicht die vulgär-psychiatrische Qualifizierung des Serienkillers oder anderer Erscheinungsformen abnormer Delinquenz. Gemeint ist zunächst der klinische Begriff für eine in der Regel nicht zu staatlichen Sanktionen führende Charakterausprägung, die wir zunächst vor dem Hintergrund massiver Störungen der energetischen und emotional-sexuellen Entwicklung des Kindes sehen müssen. Es mag sein, dass diese Definition nur auf die „milde" oder „sozialisierte" Form der Psychopathie abzielt; allerdings ist es noch die Frage, ob eine weitgefaßte Kategorie ausreicht, in welcher sowohl der perverse Massenmörder wie der nicht straffällig werdende Lügenbold Platz findet. Dennoch kann man ein Muster ausfindig machen, das vermutlich alle „Psychopathen" gemeinsam haben, auch wenn es die extremen Ausformungen nicht hinreichend erklären kann: es handelt sich um die (früh)kindliche Erfahrung, einer anhaltenden, unausweichlichen Machtwillkür unterworfen gewesen zu sein, die weniger in offen repressiver als in manipulatorisch-seduktiver Weise vor allem auf die Entwertung der Emotionen des Kindes bzw. deren Umdefinierung zum Zweck der Durchsetzung eigener Interessen abzielt. („Mami ist traurig, weil du böse bist!")

2. Entstehung der psychopathischen Struktur

Wer solche „Gefühlswäsche" niemals am eigenen Leibe erfahren hat, dem mag es schwer fallen, den verheerenden, destruktiven Effekt einer solchen Erfahrung auf das allgemeine Lebensgefühl, das Selbstwertgefühl und vor allem auf die Entwicklung der Beziehungs- und Liebesfähigkeit einschätzen und nachvollziehen zu können. Man übertreibt nicht, wenn man behauptet, dass es sich um seelische Folter durch eine geliebte Person handelt, wobei das Kind nicht in der Lage ist, seine Situation als permanente Folter erkennen und den Kontext verlassen zu können. Viele Kinder in solcher Situation entwickeln schließlich die naheliegende defensive Reaktion: sie erfassen instinktiv die Regeln des Spiels und spielen es bald geschickter als die Erziehungspersonen, die früher oder später vor dem Scherbenhaufen einer auf Vermeidung und Verweigerung der Beziehung und somit auf Sand gebauten „Erziehung" stehen. „Mami ist traurig, weil ich böse bin" hat sich längst vom desorientierenden Introjekt zur zynischen Absage an Mami, Papa und den Rest der Welt gewandelt. Ist damit bereits die Entstehung der psychopathischen Struktur beschrieben?

Hier soll nicht der Anspruch erhoben werden, eins der größten Rätsel der Psychiatrie und Psychotherapie - die Frage der Psychopathie - durch den simplen Verweis auf eine spezifische frühlindliche Konstellation entscheidend erhellen zu können. Zu viele Unbekannte sind nach wie vor im Spiel, und alle Versuche, diese erschreckende, monströse Variante des Menschseins vom Verständnis her in den Griff zu bekommen, mussten bisher vor der schieren Unbegreiflichkeit der psychopathischen Struktur kapitulieren. Dennoch lohnt es, die Bedeutung der seduktiv-manipulatorischen Machtwillkür der Erziehungspersonen für die Entstehung der Psychopathie weiter zu verfolgen. Je stringenter diese Konstellation ist, je weniger das Kind ausweichen kann und einer Person ausgeliefert ist, ohne dass eine andere Person im Umfeld des Kindes kompensatorisch präsent ist, desto prägnanter scheint sich die psychopathische Struktur heraus zu bilden, um schließlich wie „in Stein gemeißelt" (Robert D. Hare) zu sein.

Manche Ungereimtheiten scheinen im Lichte dieser These der Auflösung näher zu kommen. Erscheint es auch oberflächlich betrachtet als „unsinnig und zwanghaft", auf alltägliche Fragen, wie z.B. nach der Uhrzeit, permanent zu lügen, so ergibt dieses permanente Lügen vor dem Hintergrund der prägenden seduktiv-manipulatorischen Grunderfahrung sehr wohl einen Sinn: Psychopathen fassen jede Frage, auch die nach der Uhrzeit, grundsätzlich als invasiven Manipulationsversuch auf, den es (durch Verweigern der Wahrheit) abzuwehren gilt.

 

3. Was sind die wesentlichen äußeren Verhaltensmerkmale?

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Der Psychopath Herr Markus Berendes verfolgt seine persönlichen Ziele systematisch mit den Mitteln der Täuschung, Einschüchterung, Verführung, wobei er flexibel in beliebige Rollen oder Haltungen schlüpfen kann. Auch wenn sein eigenes emotionales Empfinden eher flach ist, kann er doch jede Gefühlslage simulieren. Emotionen wie Reue, Trauer, Wut werden wohlkalkuliert dort gezeigt, wo es in der aktuellen Situation einen Vorteil verspricht. Er scheint Angst und Scham nicht zu kennen und beeindruckt mit scheinbarer Ungehemmtheit und weitgehender Abwesenheit von üblichen neurotischen Symptomen wie Befangenheit oder Verlegenheit. Herr Markus Berendes kann mühelos eine „Schokoladenseite" produzieren, die ihn als charmanten, hilfsbereiten, geselligen, bescheidenen, etc. Mitmenschen erscheinen lässt, je nachdem, was ihm gerade nützlich ist. Regeln, Gesetze, Konventionen oder Tabus sind keine Hindernisse, wobei man sich ihn jedoch nicht als kühnen oder dämonischen Tabuverletzer vorstellen darf. Wie alle Psychopathen bricht er Gesetze und Tabus, so wie andere Leute frühstücken; die emotionale Ladung, die mit dem Einhalten von Regeln bzw. dem Regelverstoß verknüpft ist, scheint nicht vorhanden zu sein oder gefühlt zu werden. Das gleiche gilt für die Angst vor der Sanktion, die den Normalbürger im Zaum hält. Die Lust am Regelbruch ist bei Herrn Markus Berendes nicht Ausdruck seiner Rebellion, sondern nur ein Nebenaspekt seines endlosen Powerplays mit Jedermann, seiner endlosen Bemühung, andere zu beeindrucken, zu instrumentalisieren und auf Distanz zu halten.

Ein weiteres Merkmal ist das schon erwähnte permanente Lügen. Während sich mancher "normale" Mensch lange mit einer Notlüge herum quälen kann, treibt der Psychopath Markus Berendes tagtäglich den Ausbau seines Lügengebäudes voran, so dass es ihm in der konkreten Situation oft schwerfällt, schnell umzuschalten, um zwischen Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden. Das heißt jedoch nicht, dass er nicht wüsste, was wahr und was erlogen ist. Dieses tiefe Eintauchen, das Leben in den selbsterlogenen Konstruktionen, ermöglicht es ihm, die angenommenen Rollen besonders glaubhaft zu spielen.

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Konfrontiert man ihn mit seinen Lügen, so zeigt er sich in einer ersten Reaktion menschlich sehr enttäuscht darüber, wie schlecht man von ihm denkt. Er ist in einer ersten Reaktion immer der verstehende, bereuende, gekränkte Moralist. Einer, der immer alles versprechen, aber niemals ein Versprechen halten wird. Einer, der ihnen sagt, was sie hören wollen. Führt diese Art der Manipulation ihn nicht zum Erfolg, dann wechselt er die Rolle und setzt gezielt auf Einschüchterung und Aggression. 

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Die enormen emotionalen Flurschäden, die er dabei in seinem sozialen Umfeld anrichtet und angerichtet hat (ganz zu schweigen von den materiellen Schäden, die oft bis zur Ruinierung seiner Opfer reichen), die ungeheuren Verletzungen, Demütigungen, Enttäuschungen und Grausamkeiten, die von den Beteiligten dabei erlitten werden, finden in Herrn Markus Berendes keine Resonanz in Form von Mitgefühl, Schuldgefühl, Reue oder Trauer. Die Maskierung dieser unheimlichen, gruseligen Unberührtheit von der Not seiner Opfer durch besondere Einsicht, Reue, Anteilnahme, das ist das entscheidende Kennzeichen eines so intelligenten Psychopathen, wie Herr Markus Berendes einer ist. Dabei hilft ihm die Fähigkeit, sich in andere Menschen rasch und differenziert hineinversetzen zu können, ohne davon im geringsten affektiv berührt zu sein. Was den Opfern immer wieder wie besondere, nie gekannte Einfühlsamkeit vorkommt, ist oft nichts anderes als kaltes, berechnendes Ausloten der Regeln und Mechanismen der Betroffenen. Dies gilt für seine geschäftlichen wie privaten Beziehungen in gleicher Weise.

 

4. Motive

Gibt es so etwas wie ein zentrales, treibendes Motiv des Markus Berendes? Vermutlich dies: so mächtig zu werden, materiell wie inmateriell, dass er nie wieder zum Spielball der Machtausübung anderer werden kann, vor allem nie wieder das elende, ohnmächtige Gefühl der emotionalen Fremdbestimmtheit erleiden muß.

Emotionale Unantastbarkeit scheint die lebenswichtige Plattform zu sein, die der Psychopath mit unerschöpflicher Energie anstrebt und vor allem durch Machterwerb (z.B. auch durch finanzielle Unabhängigkeit) und Machtausübung (durch Instrumentalisierung und Kontrolle) oder zumindest durch Einflußnahme mit den Mitteln der Täuschung, Einschüchterung oder Verführung zu erreichen versucht. Manche Psychopathen sind in der Lage, hohe fachliche Kompetenz, soziale Anerkennung und Wohlstand zu erwerben, nur um damit im Sinne ihrer Kontroll-Strategie zu agieren.

Ich denke, an dieser Stelle beantwortet sich die Frage, warum bei Herrn Markus Berendes von den unterschlagenen Millionen im Lebensstandard nichts zu sehen ist. Unabhängigkeit wird allein dadurch erreicht, dass er weiß, dass er das Geld hat. Selbstwert durch Inszenierung eigener Überlegenheit wird produziert durch das Wissen anderen das genommen zu haben, nehmen zu können, was im Focus allgemeiner gesellschaftlicher Werte und Zielsetzungen steht - ihr Geld, ihre durch finanzielles vermittelte Unabhängigkeit und Freiheit, ihre Selbstbestimmung. Die Erwartungshaltung, ein erfolgreicher Betrüger würde seine Millionen nun in Autos, Segeljachten, etc. umsetzen, dass er sich alsbald absetzen wird, um entsprechend vorgehen zu können - das sind nichts als die Projektionen von uns "Normalbürgern", also das, was wir gern tun würden, hätten wir nur das Geld dazu.

Es kommt nicht selten vor, daß derart Rechnungen aufgehen und Psychopathen eine kompensatorische Immunisierung erreichen, in deren Rahmen sie relativ unbedrängt leben und sogar als großzügige, hilfsbereite, symphatische Zeitgenossen in Erscheinung treten können. Die intelligentesten und begabtesten (manchmal auch nur die geschicktesten und dreistesten) Psychopathen findet man regelmäßig in hohen und höchsten Positionen in Staat, Wirtschaft, Kultur. Man kann auch nicht sehr irren, wenn man umgekehrt vermutet, dass in unserer Gesellschaft solche Positionen mittlerweile kaum noch ohne entsprechende psychopathische skills behauptet werden können.

Oft geht die psychopathische Rechnung jedoch nicht auf, und Psychopathen verbringen ihr Leben in permanentem Konflikt mit ihrem Umfeld, in ständiger Konfrontation mit den Sanktionen ihrer Bezugsgruppen, sowie letzten Endes mit den Sanktionen staatlicher Institutionen.

 

5. Therapeutische Behandlung

Psychopathen gehen in der Regel nicht zur Therapie. Ihre Therapie ist das Leben selbst, und der Preis ist am Ende meistens hoch. Das Aufsuchen oder Akzeptieren von psychotherapeutischer Behandlung ist für den Psychopathen oft nur Aspekt einer übergeordneten Strategie in seinem aktuellen Spiel (z.B. weil ein entnervter Partner ihn dazu gezwungen hat, oder weil sonst die Enterbung droht, oder weil es eine entsprechende Bewährungsauflage gibt). Zahllos sind die dokumentierten Fälle von Psychopathen, die ihr Umfeld mit „guter Führung", hervorragenden Leistungen oder sonstigem Wohlverhalten täuschen konnten, um sofort nach Erhalt der entsprechenden Gratifikation (z.B. vorzeitige Haftentlassung) die „Maske der Gesundheit" wieder abzulegen.

Psychopathen fällt es ausgesprochen leicht, im Gegensatz zu dem, was wir oft annehmen, sich sozial anzupassen. Sie können ihre Ziele ohne größere moralische und neurotische Skrupel verfolgen.

So hat Herr Markus Berendes es geschafft, aufgrund "guter Führung" und "positiver Sozialprognose" nach der Hälfte seiner Haftzeit (nicht 2/3) entlassen zu werden (und das in Bayern!). Geholfen hat ihm auch seine Bereitschaft, sich schon während seiner Haftzeit und danach in psychotherapeutische Behandlung zu begeben.

Wenn solche Leute überhaupt aus eigenem Antrieb zur Therapie kommen (z.B. nach schweren Schicksalsschlägen), dann zunächst, um auch dort zu gewinnen und zu täuschen. Wenn man den Therapeuten, oder gar viele Therapeuten in die Tasche stecken kann - wer kann einem dann noch gefährlich werden? Es gibt Leute mit psychopathischer Struktur, die sich in der Therapieszene regelrecht hocharbeiten: Erst ein paar Berufsanfänger (wie Frau Berendes - Diplompsychologin) vernaschen, dann die gestandeneren Typen ins Visier nehmen (intimes Verhältnis mit der ihn in der JVA Landsberg betreuenden Psychologin), um schließlich die Gurus der Branche zu testen (kommt noch).

Der manchmal um Therapie nachsuchende „normale" (oder besser gesagt: sozialisierte) Psychopath ahnt sehr wohl, dass das oft nur dürftig kaschierte Geheimnis seiner Hohlheit und Beziehungslosigkeit ständig in Gefahr ist, entlarvt zu werden.

Er muß sich deshalb in jedem sich bietenden Kontext erneut beweisen, dass er immer noch gewinnen, d.h. die anderen täuschen kann .

Da leiht sich der Millionär Markus Berendes schon mal 100 Euro bei seiner Schwester, bei Vater oder Mutter. Ein vielfacher Erfolg. Wieder hat er überzeugt, andere instrumentalisiert, davon profitiert (die Höhe der Summe ist zweitrangig); und wie kann sich jetzt noch jemand vorstellen, dass er große Summen beiseite geschafft hat?

Man muß jedoch hinzufügen, dass der Psychopath Herr Markus Berendes, so wie die meisten Psychopathen, sich selbst im Moment seiner Entlarvung merkwürdig unbeeindruckt zeigt, weder zerknirscht noch beschämt ist, schnell das Thema wechselt oder verblüffende bis schockierende Ausreden parat hat, mit deren Hilfe er sich aus der Klemme hinauskatapultiert.

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Wahrscheinlich ist die generelle Abwesenheit von Verlegenheit oder wortloser Beschämung noch einer der besten Indikatoren, einen Psychopathen zu erkennen.

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Ein andere Indikator ist das unangemessene und oft übertriebene Moralisieren. Moral ist für den Psychopathen nicht wirklich verhaltensleitend, Verstöße gegen allgemein anerkannte moralische Standards führen bei Psychopathen nicht zu Mißempfindungen und daraus resultierender Verhaltenskorrektur. Moralische Argumentation ist für sie immer ein rational erfaßtes und angewendetes Werkzeug um bestimmte Ziele zu erreichen.  Offenbar bedarf es für den Psychopathen eines langen Lernprozesses, dieses „Moralisieren“ so zu dosieren, daß es für den Normalbürger nicht auffällig ist und glaubsam herüberkommt.

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Für Herrn Markus Berendes stimmt das jetzt noch, so lange er diesen Text nicht gelesen hat. Danach wird er mit Sicherheit im Sinne einer "Vervollkommnung" an seinen "Fähigkeiten" arbeiten.

Eine unüberwindliche Hürde vor der Inanspruchnahme einer Therapie besteht für viele Psychopathen auch darin, dass sie die Inanspruchnahme von Therapie nur als unerträgliches Eingeständnis ihrer Niederlage werten können, das ihre Grundangst vor Beeinflussung schürt (es sei denn, er kann auch den Therapeuten manipulieren). Finden sie trotzdem den Weg zu einer Therapeutin oder einem Therapeuten, die oder der ihnen nicht auf den Leim geht, dann tut sich bald ein noch größeres Hindernis auf: sie müssen (an-)erkennen, dass sie mit ihrer Performance keinen Blumentopf gewinnen können. Spätestens dann verschwinden die meisten.

Für den Psychopathen kann die Therapie nur dann erfolgreich sein, wenn er es schafft, in seine innere Hölle oder „Seelenwüste" hinein zu fühlen. Was ihn dort erwartet, ist ein Konglomerat des Horrors:

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Leere, Hohlheit, Abwesenheit elementarer Empathie und elementaren Vertrauens, die Angst vor emotionaler Intimität; die Unfähigkeit, sich einer Sache oder einem Menschen mit lebendigem Interesse widmen zu können; die Unfähigkeit zu lieben; das Wissen darum, ein wandelnder ungedeckter Scheck zu sein, ein aufgeblähtes, falsches Selbst zur Schau zu tragen; die Angst und Unfähigkeit, sich jemandem mitzuteilen und anvertrauen zu können...

 

6. Vom Psychopathen ausgehenden Risiken für ihn selbst und andere

Wenn diese Not gefühlt wird, ist die Suizidgefahr groß. Die regelmäßigen psychopathischen Katastrophen in Form blind- und schießwütiger Amokläufe, denen immer wieder Unschuldige, oftmals die eigene Familie und schließlich die Täter selbst zum Opfer fallen, entspringen vermutlich solchen Momenten verzweifelter Intuition der inneren Ausweglosigkeit.

Zum Glück bleiben Mord, Totschlag, Vergewaltigung und andere Kapitalverbrechen (natürlich gilt nicht: Kapitalverbrecher = Psychopath) die spektakulären Ausnahmeerscheinungen psychopathischen Agierens.

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Unterhalb der Schwelle zum Kapitalverbrechen agiert der Psychopath Markus Berendes, wie viele Psychopathen, oft mit subtilerer Gewalt wie Drohungen oder Erpressungen, und zwar dann, wenn er mit den üblichen Manipulationstechniken nicht mehr zum Zuge kommt. Die Situation und die Techniken eskalieren mit ausbleibendem Erfolg. Dieser ist für sein Selbstbild und die Selbstwahrnehmung derart destabilisierend, dass er unbedingt gegensteuern, das heisst gewinnen muss. So wurde zum Beispiel Frau Berendes, als sie sich trennen wollte, massiv und mit allen verfügbaren Mitteln unter Druck gesetzt.

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Wie wird "Wohlverhalten" eingefordert?

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Eskalationsschritte:

1. moralischer Druck z.B. über ein besonders rühriges und vorbildliches Sichkümmern um das gemeinsame Kind

2. moralischer Druck über hypochondrisches Verhalten und weiter über eine erfundene eigene Krebserkrankung

3. moralischer Druck über angedrohten Suizid ("...dann fahre ich eben gegen die Autobahnbrücke...)

4. "...bevor ich mich erschieße, da kann ich ja noch (dies und jenes) tun..."

Es geht um Kontrolle und Machterhalt, um das Gefühl, beides zu besitzen. Führen die üblichen Techniken nicht zum Erfolg, dann fällt die Maske.

5. Androhung offener physischer Gewalt gegen die Ehefrau und deren neuen Lebenspartner

6. Einbeziehung des gemeinsamen Kindes in den offenen Konflikt

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weitere Details möchte ich mit Rücksicht auf Frau Berendes hier nicht nennen...

 

Der Mangel an Liebe, an Kontakt mit der Welt, wird ersetzt durch Freude an der Macht. Und Macht können Psychopathen auf ziemlich skrupellose Art und Weise erkämpfen, da sie nicht von Moral und Eros behindert werden.

Nicht minder schwerwiegend aber sind insgesamt die tagtäglichen Horrorvorkomnisse noch unterhalb der Schwelle zu Drohung, Erpressung oder Kapitalverbrechen, ja sogar unterhalb der Schwelle zum Straftatbestand an sich (siehe Zitat am Seitenanfang).

 

7. Wo sich Psychopathen wohlfühlen

Politik und Kriminalität sind die Bereiche, in denen psychpathisches Treiben in besonderer Weise offenkundig wird.

Diese „angepassten Psychopathen" tummeln sich unerkannt vor allem dort, wo der materielle Erfolg der Maßstab aller Dinge ist, der Zweck die Mittel heiligt, große Summen auf Kosten kleiner Leute verdient werden und am Ende sogar die gesellschaftliche Anerkennung für besondere Geschäftstüchtigkeit winkt.

„Das Geschäftsleben ist der Lieblingsspielplatz des Psychopathen. Beide - Psychopath und angepaßter Psychopath - kommen besonders gut zurecht bei den eher skrupellosen Spielarten des Geschäftslebens, weil sie soviel Spaß daran haben, andere über den Tisch zu ziehen und mit der Beute davon zu kommen. Und weil sie so wenig Gewissensbisse haben, ihre Kunden zu betrügen. Oftmals wird beklagt, daß ein Bankräuber für zwanzig Jahre ins Gefängnis geschickt wird, hingegen ein Jurist, ein Geschäftsmann oder ein Politiker, der die Öffentlichkeit um Millionen erleichtert hat, mit einem Bußgeld oder einer Bewährungsstrafe davonkommt.

…in den USA kam dafür der Begriff des „white collar crime" in Umlauf, ein Terminus für eine strafrechtlich kaum zu verfolgende Form der Wirtschaftskriminalität wie z.B. Aktienmanipulation, Insidergeschäfte, Kredit- und Kartellbetrug. Berechnungen in den USA haben ergeben, daß die „white collar"- Kriminaltät, die bis zum Wallstreet-Crash 1987 eher als schwach geahndetes Kavaliersdelikt galt, immense materielle Schäden zwischen 40 und 200 Milliarden Dollar per annum verursacht, während für die gewöhnliche Kriminalität („blue collar crime") gerade mal Schäden in Höhe von vier Milliarden Dollar veranschlagt werden.

Viele Psychopathen kommen nie ins Gefängnis oder irgendeine andere Einrichtung. Sie scheinen sich ganz normal in der Welt zu bewegen - als Anwälte, Ärzte, Psychiater, Akademiker, Polizeibeamte, Kultführer, Militärs, Geschäftsleute, Schriftsteller, Künstler, Entertainer usw. - ohne jemals Gesetze zu verletzen bzw. ohne jemals gefaßt und verurteilt zu werden. Diese Leute sind keine Spur weniger egozentrisch, erbarmungslos und manipulativ als der durchschnittliche kriminelle Psychopath. Jedoch wird es ihnen infolge ihrer Intelligenz, ihrer familiären Herkunft, ihrer sozialen Fertigkeiten sowie infolge günstiger Umstände ermöglicht, eine Fassade der Normalität zu errichten und relativ unbehelligt ihre Ziele zu verfolgen.

 

8. Kann man den Psychopathen helfen?

Nein!!! Kriminelle Psychopathen sind die Straftäter, die:

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- die wirtschaftlich höchsten Schäden verursachen

- über einen langen Zeitraum (Jahre und Jahrzehnte) ein beständiges und höchstes Maß an krimineller Energie entwickeln

(im Unterschied zu anderen Straftätern, auch bei Kapitalstraftaten, die meistens mehr in der Situation handeln)

- am schwersten zu überführen sind

- am wenigsten zu resozialisieren sind

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aber: die auch am ehesten Bewährungsauflagen erfüllen oder Strafnachlaß erhalten !!!

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Diesem Mißstand abzuhelfen bedürfte es einer besseren (umfassenderen) Schulung insbesondere der Richter, Staatsanwälte und Anwälte, die mit dem entprechenden Klientel befaßt sind. Anzuregen wäre, psychologische bzw. psychodiagnostische Inhalte während des Jurastudiums oder über nachfolgende Schulungen zu vermitteln.

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Als Psychologen müssen wir zunächst und vor allem akzeptieren, dass wir kaum Möglichkeiten haben, solchen Menschen zu helfen, und dass sie sogar auf unsere Dienste pfeifen. Was die Therapie des Psychopathen angeht, so teilt Guggenbühl-Craig aus der Sicht der Jungschen Analyse den nüchternen Realismus anderer Schulen. Sein Ansatz beschränkt sich darauf, „jede Hoffnung auf Entwicklung" aufzugeben und für den Psychopathen „eine äußere Situation zu finden, in welcher der Betreffende trotz seiner psychopathischen Natur einigermaßen glücklich leben kann... Eine besonders reich gestaltete Gesellschaft würde es vielleicht ermöglichen, die meisten Psychopathen so zu plazieren, daß sie sich, ohne großes Unglück anzurichten, einigermaßen ausleben können."

 

9. Der „normale Mensch“ wie Sie und ich als Steigbügelhalter des Psychopathen

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Wollen wir unseren starren Blick auf das isolierte Phänomen „Psychopath" lockern, dann müssen wir uns dem ewigen Assistenten des Psychopathen zuwenden, der ihm in den Sattel hilft, der ihm den Weg ebnet, und ohne den er nicht agieren könnte. Der ewige Assistent des Psychopathen (PP) ist der Normalneurotiker (NN) - also wir alle mehr oder weniger. Der NN kann den PP nicht durchschauen, vielmehr bewundert er diesen irgendwie faszinierenden Menschen: so ungeniert, selbstbewußt und sorgenlos, so geradeheraus, erfolgreich und unwiderstehlich wäre man auch gerne. Der PP scheint herausgefunden zu haben, wie man richtig lebt. Auch im Bett gibt es keine Komplikationen: der NN (Mann wie Frau) empfindet die sexuelle Unverklemmtheit des PP als schlicht erlösend und ist sehr lange bereit, dafür fast jeden Preis zu zahlen, d.h., sich materiell und psychisch ausbeuten zu lassen bzw. darüber hinweg zu sehen.

Wenn die Schätzungen der Experten zutreffen, dass ca. ein bis zwei Prozent der Bevölkerung psychopathisch sind, kann man damit rechnen, dass man früher oder später nicht nur einem Psychopathen oder einer Psychopathin über den Weg läuft, sondern auch zum Opfer fällt.

 

10. Wer ist besonders gefährdet?

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Wer jetzt denkt „Das könnte mir nicht passieren!", irrt sich wahrscheinlich, denn nichts kann Markus Berendes besser, als die wunden Punkte, die Schwachstellen, die unausgesprochenen Überzeugungen, Begrenzungen, Bedürfnisse und Ängste seines Gegenübers herauszufinden, um danach auf diesen „Tasten" wie auf einem Instrument zu spielen. Vermutlich kann man seine psychopathischen Attacken erst dann erkennen und parieren, wenn man vorher ein paarmal gründlich reingefallen ist.

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Gründlich reinfallen kann jeder.

Denn Psychopathen beuten nicht nur die Unsicherheiten des Neurotikers aus, sondern saugen ihren schwarzen Honig auch aus den weitverbreiteten zwischenmenschlichen Konventionen wie: Nachsicht, Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, Höflichkeit, Toleranz, Vertrauen etc... !!!

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Gefährdet ist jeder, besonders gefährdet aber sind die, die sehr sozial veranlagt sind, Konflikte gern im Konsens lösen, Menschen die anfällig für Schmeicheleien sind, sich leicht einschüchtern lassen, die einsam sind, zu Schuldgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen neigen.

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Besonders gefährdet sind auch die, die z.B. aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit meinen, über eine besondere Menschenkenntnis und über Professionalität im Umgang mit Menschen zu verfügen. Die daraus resultierende falsche Selbstsicherheit verführt zu Projektionen von Normalverhalten auf das psychopathische Agieren des Markus Berendes. Ich sage es noch einmal anders: Seine Dreistigkeit, Ungehemmtheit, sein Geschick immer wieder aufs Neue vordergründig glaubhafte Lügengebäude zu errichten, sprengen jeden Erfahrungshorizont derart, dass ihm immer wieder geglaubt wird. Wer damit beginnt ihm zuzuhören, der hat schon fast verloren. Man sollte sich, Abstand wahrend, ganz nüchtern nur an überprüfbare (!) und überprüfte (!!!) Fakten halten.

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Herrn Markus Berendes selbst sieht die Dinge auch eher pragmatisch, nüchtern. Hat er Sie schon einmal belogen, und das blieb für ihn ohne nachhaltige Konsequenzen, dann wird er Sie wieder belügen. Warum eine erfolgreiche Strategie ändern? Warum sich nicht das Erfolgserlebnis gönnen, dass Sie Ihm immer wieder auf den Leim gehen? Warum nicht sich selbst als überlegen und unangreifbar inszenieren? So profitiert er noch von Ihnen, nachdem er ihr Geld oder ihre geldwerte Leistung (z.B. als Anwalt) schon lange hat.

Mehr Wachsamkeit ist also gefordert, und damit fangen die Probleme erst richtig an. Denn wessen Wachsamkeit ist ausreichend? Wie gesagt, die wenigsten der Experten sind in der Lage, einen Psychopathen auf Anhieb zu durchschauen. Man muß sogar sagen: die meisten erliegen seinem Charme oder fallen sonstwie genau auf ihn herein, wie der ahnungslose Laie.

Mehr noch: viele Helfer und Heiler sind infolge unzulänglicher Ausbildungsprozesse so sehr auf generalisiertes und daher im Einzelfall oft falsches „mitfühlendes Verständnis" programmiert, daß jeder Laie, der sich einen Rest Unerschrockenheit und Unbestechlichkeit bewahrt hat, den Psychopathen in Herrn Markus Berendes eher wittern wird als ein am Helfersyndrom krankender kastrierter Psychologe, Jurist oder Lebenspartner.